7 Dinge, die Sie über FAST NORMAL wissen sollten

Worum geht es?

Beglückend, schmerzhaft und unbedingt lohnenswert sei die Arbeit an dem Musical „Next to Normal“, schrieb der Regisseur der Uraufführung Michael Greif. Und warum? Weil es sich um ehrliche Charaktere drehe und ein aktuelles Thema, das fast jeden etwas angehe: Psychische Erkrankung. In „Next to Normal“ geht es um die gutbürgerliche Kleinfamilie Goodman: Dan und Diana mit ihren pubertierenden Kindern Gabe und Natalie. Doch ganz so normal, wie es auf den ersten Blick erscheint, sind sie eben nicht: Mutter Diana leidet unter einer bipolaren Störung, die sie und ihre Familie im Griff hat.

 

Die Idee zu dem Musical…

… hatte der Autor Brian Yorkey. Auf der Suche nach einem geeigneten Stoff für ein Kurzmusical, mit dem er sich gemeinsam mit Tom Kitt zum Abschluss eines Workshops präsentieren könnte, zappte er durch das nächtliche Fernsehprogramm und blieb an einer Dokumentation über Elektrokrampftherapie hängen. Diese gab ihm den Anstoß, ein Stück über eine psychisch kranke Frau und die Auswirkungen der Erkrankung auf ihre Umwelt zu schreiben.

 

Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt

An einer bipolaren affektiven Störung, die früher als manisch-depressiv bezeichnet wurde, leiden laut WHO etwa 2-3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Ursachen für diese schwere psychische Erkrankung sind vielfältig und meist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, darunter die genetische Disposition und psychosozialen Belastungen. Die Betroffenen sind großen Stimmungsschwankungen ausgesetzt, manische Episoden folgen auf depressive und umgekehrt. Aufgrund der unterschiedlichen Verläufe und individuellen Erscheinungsformen ist eine bipolare Störung schwer zu diagnostizieren – und noch schwerer zu behandeln. Wird die Krankheit nicht behandelt, bleibt die Gefahr schwerer Depressionen bzw. Manien bestehen, heilbar ist eine bipolare Störung jedoch nicht.

 

Therapieformen

An erster Stelle einer Therapie steht die Aufklärung des Patienten und nach Möglichkeit auch der Angehörigen; denn ohne die Bereitschaft des Betroffenen, sich behandeln zu lassen und die Unterstützung des sozialen Umfelds ist eine Therapie kaum möglich. Die Behandlung mit Medikamenten geht dabei Hand in Hand mit Psychotherapie und Psychoedukation. Bei letzterer lernt der Patient, die Symptome einer herannahenden Manie bzw. Depression frühzeitig zu erkennen und typische Auslöser zu vermeiden. Wenn die Medikamente nicht greifen, kommt auch die Elektrokrampftherapie zum Einsatz, bei der das Gehirn kurze Stromimpulse versetzt bekommt.

 

Preisgekrönt

Aus der zehnminütigen Abschlussarbeit „Feeling electric“ ist zehn Jahre später ein abendfüllendes Musical geworden, das wichtige Preise gewann: 3 Tony-Awards und den Pulitzer Prize for drama. Der Tony Award ist der wichtigste amerikanische Theaterpreis und vergleichbar mit dem Oscar für Filme. Er wird jährlich in 15 verschiedenen Kategorien an Stücke vergeben, die am Broadway gespielt haben. „Next to Normal“ wurde 2009 in zehn Kategorien nominiert und gewann drei: Partitur, Orchestration und beste Hauptdarstellerin.
Das Pendant zum Tony für die amerikanische Literatur ist der Pulitzer-Preis. Er wird für viele Formate vergeben, wie Romane, Reportagen, Karikatur und auch für Theaterstücke. „Next to Normal“ ist eines der wenigen Musicals, die mit dieser Auszeichnung geadelt wurden.

 

Die Musik

„Next to Normal“ ist ein Band-Musical: Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard kommen mit Violine und Cello zusammen. Tom Kitt zitiert in seiner Partitur viele Stile: Rock- und Popmusik, Folk, Country… Die sechs Darsteller sind dabei nicht nur solistisch eingesetzt, sondern in einigen Nummern auch als Background-Chor.

 

Ein feel-everything-Musical

„Next to Normal“ sei ein feel-everything-Musical, schrieb der Kritiker der New York Times nach der Broadway-Premiere 2009. Dank des Librettos von Brian Yorkey besteht zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, in tränenduselige Betroffenheit abzurutschen. Witzige und freche Nummern stehen neben berührenden Balladen, jeder Charakter wird ernst genommen, doch manche Szene auch bis zur Skurrilität überhöhnt. Lachen und Weinen liegen bei diesem Musical eng beieinander.

Teile uns auf Facebook, Twitter und co!